...und ein Ex-DJ in seinem LKW die Lösung wusste
Also meine lieben Musikenthusiasten, lehnt euch zurück. Hier ist eine Geschichte aus meinem Leben, die zeigt, warum wir „Alt-DJs“ ein wandelndes Lexikon im Kopf haben.
Die meisten Kollegen werden mir zustimmen: Nach jahrelanger DJ-Erfahrung kannst du fast jeden Titel, den du spielst, mitsingen. Man wird textfest bis in die Haarspitzen. Und genau das rettete Ende der 90er Jahre einer Radiosendung bei „Antenne Bayern“ den Abend.
„Oldies but Goldies“ und ein unauffindbarer Wunsch
Ich „truckerte“ eines Abends mit meinem LKW durch Bayern und hörte die Sendung „Oldies but Goldies“ (oder so ähnlich). Die Moderatoren damals – Stefan Lehmann, Viktor Worms und Co. – waren echte Profis. Man konnte sich Songs wünschen, und die Redaktion spielte sie.
Plötzlich sagte der Moderator zu einem Hörer, der einen Plattenwunsch geäußert hat: „Sorry mein Freund, die Redaktion, der Produktionsleiter und das gesamte Team haben das komplette Archiv auf den Kopf gestellt – aber ‚I will wait for you‘ von den Bee Gees können wir beim besten Willen nicht finden.“
Der Moment, in dem der „DJ“ in Tommy erwachte
In meinem Kopf fing es sofort an zu rotieren. Ich kannte die Melodie, ich hatte die Zeile im Ohr. Das war einer meiner persönlichen Top-10-Songs aus den 60ern/70ern! Ich wusste sofort, wo der Fehler lag.
Was macht man als leidenschaftlicher DJ in so einem Moment? Ich fuhr meinen Lastwagen rechts ran, schnappte mir mein Handy (ja, die klobigen Dinger gab es damals schon!) und rief über die Auskunft bei Antenne Bayern an.
Robin Gibb, die A-Seite und das „Million Years“-Rätsel
Natürlich landet man erst mal in der Redaktion. Ich erklärte der netten Dame den Sachverhalt: Der Hörer suchte keinen Song der Bee Gees, sondern einen Solo-Titel von Robin Gibb.
Der Kern der Verwirrung: Der Song heißt nicht „I will wait for you“, das ist lediglich die markante Textzeile aus dem Refrain von „One Million Years“. Damals, 1969, erschien Robin Gibbs Megahit „Saved by the Bell“. Ursprünglich war „Mother & Jack“ die B-Seite. Doch weil „One Million Years“ ebenfalls ein Riesenerfolg war, wurden später beide Titel auf einer Schallplatte kombiniert.
Kein Wunder also, dass der Computer der Redaktion bei „Bee Gees“ und „Wait for you“ streikte!
Win-Win-Win am Ende der Sendung
Ich gab die Info durch, bedankte mich und fuhr weiter. Am Ende der Sendung geschah es dann: Der Moderator spielte den Song als krönenden Abschluss, bedankte sich öffentlich bei „DJ Tommy“, dem Retter in der Not, und der Hörer war glücklich.
Die Moral von der Geschicht‘: Manchmal hilft das modernste digitale Archiv nichts, wenn man nicht jemanden hat, der die Musik noch im Herzen (und im Gedächtnis) hat. Gott sei Dank gibt es uns Alt-DJs!
Euer Thomas (DJ Tommy)